Kgl. priv. SG Breitenberg

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Chronik

Verein

Die Geschichte der kgl. priv. Schützengesellschaft Breitenberg


Auszug aus der Vereinschronik von Peter Reischl.


Mit der Besiedlung des Gebietes um Breitenberg bis hin zu den Hängen des Dreisesselberges kam auch das Schießen in diese Gegend. Nach dem vermeintlichen Recht auf freie Pirsch gingen vor allem in den nördlichen Teilen der "Neuen Welt" die Bewohner in die großen Wälder, um das Wildbret für die meist großen Familien zu erlegen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus der notwendigen Jagd ein regelrechtes provitsuchendes Wildschützentum. In Horden bis zu 50 Mann zogen verwegene Gestalten, meist brotlose Burschen oder Inhäusler in die Hochwälder und erlegten jegliches Wild, das gewinnbringend zu verkaufen war. Als sich Jäger und Gesetzeshüter dagegen auflehnten, demonstrierten die Wildschützen ihre Stärke in regelrechten Überfällen. Nach der Wildererschlacht im böhmischen Tusset im Februar 1850 wurde zur Wiederherstellung der Ruhe in der "Neuen Welt" 60 Mann Soldaten des Infanterie-Regimentes Schreckendorf aus Passau nach Breitenberg beordert. Als selbst die Soldaten gegen die Wildschützen nichts ausrichten konnten und das Wilderertum von der Bevölkerung als hochgespielte Taktik der böhmischen Behörden hingestellt wurde, erwägte das kgl. Bezirksamt Wegscheid, die Schießleidenschaft der Männer durch die Errichtung einer "Feuerschützengesellschaft" in Breitenberg in rechte Bahnen zu leiten. Daran interessiert zeigte sich Benedikt Baumgartner, Jäger und Wirt in Breitenberg. Am 10 Oktober 1851 gründete er zusammen mit 16 weiteren Bürgern eine Schützengesellschaft. Diese Gesellschaft erhielt aufgrund der Anmeldung am königl. Landgericht Wegscheid ( LG älterer Ordnung Wegscheid Nr. 918) und der Anerkennung der Bayerischen Schützenordnung von 1796 bzw. des kurfürstlichen Mandats von 1809 landwehrähnliche Rechte und Pflichten zugeteilt. Jeder Bürger hatte sich im Umgang mit der Waffe zu üben und zur eigenen Verteidigung bzw. zur Verteidigung des Vaterlandes regelmäßig eine Anzahl scharfer Schüsse am Schießstand abzugeben. Nach dem Tode des Schützenmeisters Benedikt Baumgartner am 30. 9. 1862 konnte zwar auf der Schießstätte das Pflichtschießen weiter durchgeführt werden, jedoch die Feiern bei den "Vorthelschießen" lehnte die Witwe des Verstorbenen strikt ab. Aus diesem Grund wechselten die Feuerschützen 1863 das Gasthaus. Weil jedoch der neue Gastwirt Josef Lang keine Jagd ausübte, trennten sich 1865 die Jäger von den Schützen und kehrten in den Gasthof "Zur Post" zurück. Sie führten selbstständig ihre Schießen durch und hielten ihre Feste im Jagdzimmer auf der Post ab. Nach der Neuordnung des Schießwesens 1868 ging das vom Bayerischen König erlassene Mandat der Wehrhaftmachung der Bürger mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht auf das stehende Heer über. Dabei verloren die Schützen ihren Status als Institution des Staates. Sie hatten fortan nur noch die Aufgabe, die ihnen freiwillig beigetretenen Mitglieder im Umgang mit der Waffe zu üben und dadurch die Wehrfähigkeit des Volkes zu erhöhen. Um Nachwuchs in den Verein zu bringen, wählten die Feuerschützen im Dezember 1868 Josef Lang jun. zu ihrem neuen Vorsitzenden. Unter seiner Vereinsführung lenkte die Jägerschaft soweit ein, daß gegebene "Vorthel" wieder gemeinsam ausgeschossen wurden und die Feiern abwechselnd in der "Post" oder im Gasthaus "Lang" abgehalten wurden. Der Brand auf der Post in den Nachtstunden vom 24. zum 25. Juni 1875 äscherte den gesammten Gebäudekomplex ein. Sämtliche Requisiten der Jäger und Schützen, die im Jagdzimmer aufbewahrt waren, wurden ein Raub der Flammen. Am 5. Juli 1875 starb Schützenmeister Josef Lang jun. Die Leitung der Schützengesellschaft übernahm Metzger Johann Schmidbauer. Nach der Verehelichung der Witwe Lang mit Josef Blöchl wurde dieser Schützenmeister, und führte den Verein bis 1885. Bedingt durch finanzielle Schwierigkeiten beim Wiederaufbau des Gasthofes "Zur Post" ging der halbfertige Bau mit allen dazugehörenden Gründen in den Besitz der Brauerei Lang ( Jandelsbrunn ) über. Brauereibesitzer Josef Lang vermachte 1880 den Gasthof mit dem gesamten Grundbesitz seinem Schwiegersohn Josef Resch aus Rastbüchl. Der Gasthof wurde vollends aufgebaut und zur Abhaltung größerer Veranstaltungen eine Veranda angegliedert. Josef Resch, Biedermann und begeisterter Jäger, brachte die Feuerschützen und die Jägerschaft zurück in die Räume des Gasthofes "Zur Post". 1885 übernahm er die Führung der Schützengesellschaft und ließ den Schießstand erneuern. Dabei wurde eine Entfernung von 135 Meter festgelegt. Das Eröffnungsschießen fand regen Anklang. Schützenmeister Josef Resch führte im Anschluß an die Treibjagd 1885 den "Hubertushirsch" als Vereinsabzeichen ein. Pate stand dabei die Sage zum Jägerbild; das Zeichen sollte allen Schützen und Jägern ein mahnendes Zeichen zur Gottesfurcht sein. Im Jahre 1889 wurde der kleinkalibrige Zimmerstutzen als hauptsächlich für den Winterbetrieb vorgesehene Zusatzwaffe eingeführt. Bei einem Endschießen 1890 gingen Franz Steininger, Kajetan Resch, Josef Drexler, Dr. Anton Knab, Pius Deinlein und Josef Resch als zielsicherste Schützen hervor. Das Schießen mit dem Zimmerstutzen wurde immer beliebter und dominierte schließlich im Verein. Als Jäger und Verfechter des Feuerstutzen legte Josef Resch 1908 sein Amt nieder und sperrte die Schießanlage im Obstgarten. Neuer Schützenmeister wurde Gendarmeriesergeant Johann Glashauser. Dieser erreichte wieder die Öffnung des Schießstandes. Kurz darauf wurde beschlossen, den Schießbetrieb mit dem Zimmerstutzen im jährlichen Wechsel in allen Breitenberger Wirtshäusern durchzuführen. Am 1. Juli 1913 wurde Sergeant Glashauser an eine andere Gendarmeriedienststelle versetzt. Nun trat Spenglermeister Heinrich Rabenbauer an die Spitze des Vereins. Er stellte den Feuerstutzen oder auch Scheibenbüchse genannt wieder in den Vordergrund. Der Erste Weltkrieg brachte den gesamten Schießbetrieb zum Erliegen; nur vereinzelt schossen die Alten und die nicht eingerückten Mitglieder. Nach dem Krieg sammelte Rabenbauer seine übriggebliebenen Schützen und trat, um unentgeltlich scharf schießen zu können, der zur Verteidigung der Heimat errichteten Einwohnerwehr bei. Durch die Einbindung des kath. Burschenvereins in diese Wehr kam 1920 das im Oberland gängige Brauchtum des Salutschießens mit Handfeuerwaffen (Karabiner 98) nach Breitenberg. Im Juni 1921 kam die befohlene Auflösung der Einwohnerwehr und das Ende des scharfen Schießens. Wegen der Inflation wurde auch das "Pichseln" mit dem Zimmerstutzen eingestellt. Erst im August 1925 wagte es Rabenbauer wieder, das Schießen mit der Kugelbüchse zu beginnen. Er veranstaltete ein großes Eröffnungsschießen und führte den Namen "Altschützengesellschaft" ein. Bis zu seinem Tod 1936 wurde an Samstagen mit dem Zimmerstutzen geschossen und jeden zweiten Sonntag am Nachmittag mit der Kugelbüchse. Der Tod Rabenbauers begünstigte den Beitritt vieler Schützen zum 1930 gegründeten KK-Verein. Unter Schützenmeister Valentin Mandlmeier wurde mit Kriegsbeginn 1939 das Schießen gänzlich eingestellt. Nach dem 2. Weltkrieg war Schützenmeister Mandlmeier bestrebt, die einstige Schützentradition in Breitenberg fortzuführen. Zunächst gab es Schwierigkeiten mit dem Schießlokal und den Gewehren. Der Verein nannte sich, um der damaligen Zeit gerecht zu werden, "Sportschützenverein 1860 Breitenberg". Dank der Bereitschaft der Familie Raab konnte im Hausgang des Nebengebäudes des im Krieg in Brand geschossenen Gasthofes das Schießen wieder begonnen werden. Im April 1950 traten die Breitenberger Schützen dem neugegründeten Schützengau "Unterer Wald" bei. Am 18. Dezember 1951 wurde Johann Schuster 1. Schützenmeister. 1953 zogen die Schützen wieder ins alte Schützenlokal "Zur Post". Es gab sportliche und gesellschaftliche Veranstaltungen und im März 1960 wurde mit einem dreitägigem Preisschießen die 100-Jahr-Feier begangen. 1961 übernahm Sebastian Knoll das Amt des Schützenmeisters, gab es aber 1963 an Josef Weidinger ab. Dieser trat 1964, da der Wirtsbetrieb in der "Post" eingestellt wurde, mit dem Verein in eine ungewollte Ruhepause. Erst im Jahr 1967 fand der Verein im neuerbauten Hotel "Breitenberger Hof" ein Unterkommen. Im Kellergang auf zwei Luftgewehrständen konnte mit dem Übungsschießen begonnen werden. 1969 wurde Edwin Resch zum 1. Schützenmeister gewählt. Bei der Generalversammlung 1972 führte der Verein auf Initiative des 2. Schützenmeisters Peter Reischl den ursprünglichen Namen "Schützengesellschaft Breitenberg" wieder ein und nahm die vom Innenministerium vorgeschlagene Satzung für "Königlich privilegierte Schützengesellschaften" an. 1979 wechselt die Schützengesellschaft das Vereinslokal. Im Gasthaus Pfeifer in Gegenbach standen nun vier Schießstände zur Verfügung. Bernhard Ascher wird 1982 zum 1. Schützenmeister gewählt, Resch Edwin wird zum Ehrenschützenmeister ernannt. Schon ein Jahr später mußte der Verein erneut das Schießlokal wechseln. Im Gasthaus "Zum Hirschen" ( Raab ) konnten 9 elektrische Luftgewehrstände aufgebaut werden. Eine Satzungsänderung über die Namensgebung wurde am 29. Dezember 1983 vom Bayrischen Staatsministerium des Inneren genehmigt. Seitdem trägt der Verein den offiziellen Namen "königlich privilegierte Schützengesellschaft Breitenberg von 1851". 1985 wurden 15 Salutgewehre angeschafft, um das Brauchtum des Salutschießens wieder aufleben zu lassen. Das größte Fest in der Vereinsgeschichte wurde im Juni 1986 gefeiert: das 135-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe. 64 Vereine kamen nach Breitenberg und begleiteten die Schützengesellschaft mit Fahnenmutter Anni Ramesberger und Patenverein Altarmbrust-Schützengesellschaft Wegscheid beim prächtigen Festzug durch Breitenberg. Am 5. Januar 1990 wird Hugo Wiedmann zum 1. Schützenmeister gewählt, Bernhard Ascher wird zum Ehrenschützenmeister ernannt. Im selben Jahr wird die SG Breitenberg Patenverein der Sternschützen Oberdiendorf, die im Juli ihr 30-jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe feiern. Fahnenmutter Anni Ramesberger wird am 28. August 1991 zu Grabe getragen. Sie verstarb im Alter von 65 Jahren nach längerer Krankheit. Bei der Jahreshauptversammlung 1992 wurden Reichetseder Peter aus Julbach und Donaubauer Otto zu Ehrenmitgliedern gewählt. Der Schießbetrieb im Gasthaus "Zum Hirschen" ist durch häufigen Pächterwechsel erheblich gestört. Die Schützengesellschaft ist verstärkt bemüht, ein eigenes Schützenhaus zu errichten. Diese Überlegung wurde in den letzten 20 Jahren schon öfter gemacht, aber alle Bemühungen führten zu keinem Ergebnis. Im Oktober 1996 wird der letzte Schießabend im Gasthaus "Zum Hirschen" abgehalten. Eine weitere Anmietung des Schießlokales ist der Schützengesellschaft unter den Pachtforderungen der Besitzer unmöglich. Schützenmeister Wiedmann lädt am 1. März 1997 zur außerordentlichen Generalversammlung ein. Hier wird der Beschluß zum Schützenhausbau gefasst und eine konkrete Planung vorgelegt. Die Gemeinde Breitenberg stellt ein geeignetes Grundstück am Freizeitgelände in Gegenbach zur Verfügung. Schon am 16. Juni ist feierliche Grundsteinlegung, anwesend sind Bürgermeister Helmut Rührl, Gauschützenmeister Helmut Grasmann, Ehrenschützenmeister Bernhard Ascher, Ehrenschützenmeister Edwin Resch, 1. Schützenmeister Wiedmann Hugo und 2. Schützenmeister Blößl Gerhard. In einer großartigen Eigenleistung errichten Mitglieder des Vereins in nur fünf Monaten Bauzeit eine Schießstätte mit 9 Luftgewehrständen. Die feierliche Einweihung und Segnung erhielt das Schützenhaus am 16. November durch Herrn Pfarrer Hieronymus Haidn. 1998 richtet die Schützengesellschaft erstmals das Gauschießen in Breitenberg aus. Mit dem Bau der Schießstätte hat sich der Verein nun die besten Voraussetzungen für sportliche Wettkämpfe und gesellige Veranstaltungen geschaffen.

 
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